Fernwärme Transportleitung Perlen-Emmen

Die Fernwärmeversorgung von Emmen wird mit dem Bau der Transportleitung von Perlen nach Emmen langfristig sichergestellt.

In der Gemeinde Emmen/LU existiert ein Fernwärme Netz, welches mit der Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Ibach beliefert wurde. Da die KVA Ibach dem Bypass Luzern weichen muss und der Standort der neuen KVA (Renergia) nach Perlen verlegt wurde, fehlte der Hauptwärmelieferant. Damit das bestehende Fernwärmenetz in Emmen weiterhin ökologisch betrieben werden kann, hat sich die Fernwärme Luzern AG (Tochtergesellschaft der Energie Wasser Luzern AG, kurz ewl) dazu entschieden, eine 9km lange Transportleitung von Perlen nach Emmen zu bauen. Die Transportleitung wird in Emmen in einer neuen Unterstation mit dem bestehenden Netz verbunden. Damit lässt sich die Abwärme der Renergia mit jener aus dem Walzwerk der Swiss Steel AG kombinieren. Mit 90% Abwärme hat die Fernwärme einen hohen ökologischen Wert. Für Redundanzen und die Regelung der Netze werden die restlichen 10% mit Erdgas abgedeckt.

Ein Fernwärmenetz besteht wie bei einer gewöhnlichen Gebäudeheizung aus einem Vor- und einem Rücklauf. In der Leitung wird erhitztes vollentsalztes (VE-) Wasser transportiert. Am Ziel in Emmen wird die Wärme über einen Wärmetauscher in das bestehende Netz abgegeben. Der Vorlauf wird im Vollbetrieb eine Temperatur von bis zu 130°C aufweisen - der Rücklauf hat eine Temperatur von 65°C. Es werden sogenannte KMR – Kunststoffmantelverbundrohre verwendet. Diese bestehen aus einem Stahlrohr DN250, welches eine Schaumstoffdämmung sowie ein Kunststoffrohr DN500 als Schutzmantel haben.

Die Linienführung der Transportleitung tangiert vier Gemeinden, quert je einmal die Reuss und die Autobahn A14 und führt durch Wohnquartiere. Der Bau zweier Leitungen mit dem Durchmesser DN500, welche aus statischen Gründen nur bedingte Richtungsänderungen zulassen, ist im überbauten Gebiet sehr anspruchsvoll. Die Querung der Reuss wurde mit einer Spülbohrung ausgeführt.

Da die Fernwärmerohre Temperaturdifferenzen von 65 bis 130 Grad erfahren, müssen sie dehnbar ausgeführt werden. Diesem Umstand muss beim Bau besondere Beachtung geschenkt werden. Die Dehnung kann mit gepolsterten Dehnschenkeln, Dehnkammern oder mit einer Einspannung aufgenommen werden. Um die Bauzeit möglichst kurz zu halten hat sich die Bauherrschaft für das kaltverlegte Verfahren entschieden. Dabei werden die Rohre auf der gesamten Länge verlegt und die Gräben laufend gefüllt. Das Aufheizen erfolgt ganz am Schluss. Daraus ergeben sich anspruchsvolle Rahmenbedingungen, da die Leitung auf den meisten Abschnitten voll eingespannt ist. Die Überdeckung muss deshalb klar bemessen und eingehalten werden. Spontane Richtungsänderungen mit Radien < 250 m oder Winkeln, welche nicht 90° entsprechen, sind nur möglich, wenn ein Dehnschenkel davor und danach gebaut wird.

Emch+Berger hat den Auftrag für das Ausführungsprojekt zusammen mit den beiden Subplanern Ramboll AG und Durena AG im 2016 erhalten. Der Baubeginn erfolgte im Februar 2017. Das Werk soll im Herbst 2018 in Betrieb gehen.

Dank einer neuen optimierten (kürzeren) Linienführung und mit zwei zusätzlichen Spülbohrungen für die Unterquerung von zwei Wohnquartieren, konnte die Baumeistersumme gegenüber dem Bauprojekt von 18 auf unter 15 Mio. CHF reduziert werden. Das finale Ausführungsprojekt weist eine Leitungslänge von 8.9 km auf.

Zurück zur Übersicht
Autor/en
Mathias Stocker
Emch+Berger WSB AG