Hauptstrasse, Luzern - Gesamtverkehrskonzept

Gesamtverkehskonzept Luzern Nord
Im Auftrag der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern bearbeitet Emch+Berger mehrere Projekte im Bereich des Seetalplatzes Luzern. Diese sind Teil des Gesamtverkehrskonzeptes Luzern Nord, welches die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen und des individuellen Verkehrs sowie sichere Verbindungen für den Langsamverkehr gewährleisten soll. Das Konzept erstreckt sich vom Kasernenplatz in Luzern bis zur Sprengi in Emmenbrücke.

Projekte Grenzweg bis Schiff
Einen wichtigen Bestandteil des Gesamtverkehrskonzepts bildet der Abschnitt vom Grenzweg bis zum Schiff (Ruopigenstrasse). Dieser Bereich ist in drei aufeinanderfolgende Projekte unterteilt. Während für das Projekt Lindenstrasse – Schiff bereits die Projektbewilligung vorliegt und die Ausführungsplanung gestartet wurde, findet für die nachfolgenden Projekte Fluhmühle – Lindenstrasse und Grenzweg – Fluhmühle zurzeit die Bereinigung der Einsprachen statt.

Anspruchsvolle städtebauliche und gestalterische Situation
Eingebettet zwischen die beiden Hügelzüge Zimmerberg und Reussegg beheimatet das Reussthal alle wichtigen Verkehrsträger derStadt Luzern. Begrenzt durch Reuss und Bahnlinien, sind dem Ausbau der Strassen durch die Topografie enge Grenzen gesetzt. Umso wichtiger ist eine landschaftlich optimale Einbindung der Verkehrsbauten. In einem intensiven Prozess wurden die Ansprüche der Betroffenen – insbesondere der Stadt Luzern – aufgenommen. Während die Gestaltung der SBB Überführung Fluhmühle in erster Linie den Anforderungen der SBB und dem Anschluss an die künftige Spange Nord unterworfen ist, wurden die beiden massiven Stützmauern Reussthal und Stollbergrain an die Ansprüche der Umgebung angepasst. Mit der Staffelung der bis zu 20 Meter hohen Mauern (siehe Abbildung) konnte deren Erscheinung und Ausstrahlung heruntergespielt werden. Die intensive Begrünung als hängende Gärten unterstützt den Effekt der zurückhaltenden Strassenbauten.

Die Projekte und die strassenbaulichen Aspekte
Die Verkehrsanlagen im Bereich der drei Projekte genügen den Anforderungen nicht mehr. Die Leistungsfähigkeit, insbesondere des öffentlichen Verkehrs aber auch des motorisierten Individualverkehrs, sind unzureichend. Zudem wird das Angebot im Langsamverkehr den hohen Ansprüchen der Stadtquartiere Lindenstrasse und Fluhmühle nicht gerecht. Auch die Verbindung dieser Stadträume an den Seetalplatz gewinnt an Bedeutung.

Um die Zielsetzungen zu erreichen, muss die Kantonsstrasse abschnittsweise um einen Busstreifen sowie mit Vorsortierstreifen in den Anschlussbereichen ergänzt werden. Mit dem westseitigen Gehweg sowie den Radstreifen werden die Stadträume Luzern und Luzern-Nord zudem mit attraktiven Wegen verbunden. Die bestehenden Bushaltestellen werden hindernisfrei ausgebaut und sollen den Anforderungen der RBus-Haltestellen genügen.

Der Abschnitt Grenzweg – Schiff zeichnet sich insbesondere durch drei markante Kunstbauten aus:

Stützmauer Reussthal:
Der Ausbau der Strasse im Bereich Lindenstrasse - Schiff ist nur mittels einer bergseitigen Verbreiterung der Hauptstrasse möglich. Dafür muss die sowieso stark sanierungsbedürftige Stützmauer Reussthal durch eine neue Mauer mit wesentlich grösseren Abmessungen ersetzt werden.

Der Hauptzweck der Stützmauer besteht darin, den Hanganschnitt oberhalb der Hauptstrasse zu sichern. Die Stützmauer Reussthal wird in zwei übereinander gestaffelte Mauerschalen aufgeteilt. Sie ist rund 350 Meter lang und die maximale Ansichtshöhe beträgt 21.6 Meter. Die untere, strassenbegleitende Mauerschicht weist eine regelmässige Höhe von 8 Meter auf und schneidet den standfesten Felsen. Die Mauerkrone der oberen Mauerschicht folgt der Terrainlinie; sie wird durch hohe Erddrücke beansprucht und muss verankert werden. Die Ankerköpfe sind in vertikale Rippen eingelassen.

SBB Überführung Fluhmühle:
Die bestehende SBB-Überführung Fluhmühle stammt aus dem Jahr 1930 und weist erhebliche Mängel, Schäden und Schwachstellen auf. Die Tragsicherheit ist partiell ungenügend. Eine Sanierung macht wegen der Anforderungen an die Höhenlage mittel- bis langfristig keinen Sinn. Entsprechend ist ein Komplettersatz, der den künftigen Randbedingungen Rechnung trägt, geplant.

Beim vorgesehenen Brückenbauwerk handelt es sich im Wesentlichen um eine Plattenbrücke mit zwei Pfeilerreihen, einer Regelspannweite von 15 Meter (Innenfelder) und einer Gesamtlänge von rund 76 Meter. Die 75 Zentimeter dicke Platte mit seitlichen Auskragungen wird über die ganze Brückenlänge durchgeführt und durch die scheibenförmigen Pfeiler, die Bahnkorridor-Wände und die beiden Widerlager gestützt. Die Brüstungshöhe beträgt im Minimum 1.1 Meter.

Stützmauer Stollbergrain:
Der Ausbau der Hauptstrasse ist auch im Abschnitt Grenzweg  - Fluhmühle nur mittels einer bergseitigen Verbreiterung möglich. Dafür muss die Stützmauer Stollbergrain durch eine neue Mauer mit grösseren Abmessungen ersetzt werden. Der neue Stützmauerfuss liegt über weite Bereiche des Perimeters rund 4 Meter weiter bergseitig als der heutige Strassenrand.

Die Stützmauer Stollbergrain ist analog der geplanten Stützmauer Reussthal in zwei, teilweise drei Schichten eingeteilt. Die erste Schicht folgt dem Strassenverlauf, ist durchgehend ca. 8.5 Meter hoch und trägt die notwendigen Strassenmöblierungen (Beleuchtungskandelaber, Verankerungen Fahrleitungsabspannung, Verkehrssignale, etc.)

Die zweite und dritte Schicht folgt in Höhe und Neigung der Terrainlinie. Diese Schichten werden zur besseren Integration in die Umgebung stark begrünt.

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Autor/en
Peter Kurmann
Emch+Berger WSB AG