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Mit Holz über die Autobahn

In Rubigen realisierte Emch+Berger im Frühling 2017 eine Holzbrücke über die Nationalstrasse N6. Sie dient Fussgängern und Velofahrern als Übergang. Das Projekt ist aussergewöhnlich, da Holzbrücken, die Autobahnen überqueren, in der Schweiz eine Seltenheit sind.

Beim Autobahnanschluss Rubigen gehören Rückstaus auf der Kantonsstrasse, welche quer über die Autobahn führt, zum Alltag. Die Brücke der Kantonstrasse bietet mit lediglich drei Fahrspuren viel zu wenig Platz. Die beiden äusseren Streifen dienen der Geradeausfahrt, der mittlere Streifen nimmt zwei kurze Linksabbiegespuren auf. Fahrzeuglenker, welche die Grünphase für das Abbiegen abwarten, blockieren oft jene, die geradeausfahren wollen.

Kapazitätserhöhung für den Anschluss
Um die Kapazität des Anschlusses zu erhöhen wird dieses Jahr das Trottoir auf der bestehenden Brücke rückgebaut und an dessen Stelle eine vierte Fahrspur realisiert. Der Langsamverkehr wird neu nicht mehr über die bestehende Strassenbrücke geführt, sondern über eine parallel dazu führende Holzbrücke geleitet. Die durch Emch+Berger geplante Holzbrücke ist seit Anfang Juni begeh- und befahrbar, bis Ende Jahr werden die weiteren Arbeiten am Anschluss abgeschlossen sein.

Eine gedeckte Holzbrücke und mehrere Stege
Die neue Verbindung setzt sich aus einer rund 27 m langen, gedeckten Holzbrücke über der Autobahn, zwei als Vorlandbrücken ausgebildeten Holzstegen von 33 m respektive 53 m Länge sowie einem weiteren Holzsteg von über 80 m Länge entlang der Kantonsstrasse zusammen. Die Brücke und die drei Stegen sprechen eine gemeinsame Formensprache und zeichnen sich gestalterisch durch eine glatte Innenseite und eine strukturierte Aussenseite aus.

Mit Schwung über die Autobahn
Dank der Materialisierung und der sanft geschwungenen Linienführung, die gemeinsam mit 3B Architekten entwickelt wurde, soll sich die Konstruktion klar von der aus Beton bestehenden Brücke der Kantonsstrasse abgrenzen und die Nutzung als Langsamverkehrsverbindung hervorheben. Durch den Schwung wird die Geschwindigkeit der Velos gedrosselt und ein sicheres Nebeneinander gewährleistet. Damit auch im Winter und bei nasser Fahrbahn eine ausreichende Griffigkeit sichergestellt ist, erfolgte der Aufbau der 4.20 m breiten Fahrbahn mit bituminösem Belag.

Fachwerkkonstruktion über die Autobahn
Die gedeckte Überführung besteht aus einem in der Situation leicht gebogenen, als Einfeldträger ausgebildeten Kastenquerschnitt. Die Krümmung erforderte die Ausbildung zweier Stahlportale an den Brückenenden. Die Fachwerkträger in Längsrichtung setzen sich aus Zugstangen aus Stahl und Streben sowie Gurten aus Brettschichtholz zusammen. Eine Fassade aus Lärchenholz schützt die Tragkonstruktion und kann durch ihren modularen Aufbau problemlos an einzelnen Stellen ausgetauscht werden. Die Stege sind als Durchlaufträger konzipiert und weisen einen Trogquerschnitt auf. Darin sind, wie bei der Hauptbrücke, direkt Beleuchtungsköper integriert.

Spektakulärer Transport nach Rubigen
Im Februar 2017 startete der Bau der Holzbrücke. Die 40 Tonnen schwere Konstruktion der Hauptbrücke wurde in lediglich einem Monat als Ganzes bei der Zaugg AG Rohrbach im Werk gefertigt und dann in einem spektakulären Nachtransport nach Rubigen gebracht. Dies war bei einer 30 m langen, 6 m breiten und 5 m hohen Struktur keine Selbstverständlichkeit. Der Transport war aufgrund der zahlreichen Kreisel, Dorfdurchfahrten und Bahnübergänge eine Herausforderung, verlief jedoch reibungslos.

Einhebevorgang von 10 Minuten
Der Einhebevorgang der Hauptbrücke erfolgte in einer frostigen Aprilnacht und wurde durch Emch+Berger koordiniert. Auf Wunsch des Bauherrn wurde die Autobahn während lediglich 10 Minuten gesperrt. Ab 20.00 Uhr wurde die Kantonsstrasse über der Autobahn bis auf einen wechselseitig befahrbaren Korridor gesperrt. Bis um 23.30 Uhr wurden zwei Mobilkräne installiert und mit fast 280 Tonnen Ballast ausgerüstet. Da sich die vorderen Kranfüsse auf der bestehenden Stahlbetonbrücke befanden, wurden spezielle Lasteinleitplatten vorfabriziert, um die Punktlasten von über 1000 Tonnen pro Kranfuss in den Bestand einzuleiten. Kurz nach 00.30 Uhr erfolgte die Freigabe durch die Polizei und die Brücke konnte vor zahlreichen Schaulustigen planmässig eingeschwenkt und gleich im ersten Versuch passgenau platziert werden.

Neuentwicklungen und Knowhow-Gewinn
In den nachfolgenden Wochen wurden die Stege ergänzt und der Belag eingebaut. Seit anfangs Juni wird der Langsamverkehr über die neue Konstruktion geführt, während auf der Kantonsstrasse die Arbeiten starteten. Emch+Berger konnte durch dieses einmalige Projekt viel spezifisches Knowhow erarbeiten. Es ist die erste räumlich gekrümmte Holzbrücke dieser Art in der Schweiz, was die Neuentwicklung diverser Details erforderte. Das zukunftsweisende Projekt zeigt die Vielfalt und das Potenzial auf, die der Werkstoff Holz bietet und verbindet regionales, traditionelles Handwerk mit einer dynamischen, modernen Struktur.

Die Erstellung, der Transport und das Einheben der Brücke im Zeitraffer.

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