Zweisimmen - zwei Bahnunternehmen, zwei Spurbreiten, zwei Sprachen, zwei Simmen

Der Bahnhof Zweisimmen ist ein Gemeinschaftsbahnhof der BLS und der MOB und verbindet die Strecke Spiez-Zweisimmen (Normalspur) und Zweisimmen – Montreux bzw. – Lenk (Meterspur). Projektauslöser für den Umbau des Bahnhofs Zweisimmen ist das Konzept «TransGoldenPass» der Montreux-Oberland Bernois (MOB). Dieses Konzept sieht vor, eine umsteigefreie Verbindung von Montreux nach Interlaken zu schaffen. Dafür wird die MOB umspurbare Drehgestelle einsetzen. Diese erlauben, dass die Wagen der GoldenPass-Züge auf beiden Spurweiten (1000 mm / 1435 mm) zwischen Montreux und Interlaken verkehren können.
Emch+Berger hat mittels einer Betonkonstruktion und der Ver- und Entsorgung den Grundstein für die Realisierung der Anlage gelegt (Abbildung 1). Die technische Einrichtung der Umspuranlage wird in einem separaten Projekt und zu einem späteren Zeitpunkt im Zusammenhang mit der Rollmaterialbestellung realisiert.

Im Rahmen dieser Konzeptumsetzung wurde der Bahnhof Zweisimmen grossräumig umgebaut.
Beim Umbau Bahnhof Zweisimmen ging es namentlich um folgende Projektziele:

  • Kundenkomfort: BehiGkonforme Umsteigebeziehungen zwischen Normal- und Meterspur (BehiG-konforme Perronanlage P55 (BLS) und P35 (MOB))
  • Vereinfachung der Gleisanlagen
  • Höhere Ein und Ausfahrgeschwindigkeit
  • Integrieren der zukünftigen Umspuranlage MOB/BLS für Reisezüge in die Normalspuranlage (GoldenPassLinie)
     

Um diese Ziele zu erreichen, wurden die Gleis- und Barrierenanlagen sowie die Perrons umgebaut. Auch das historische Hallendach wurde restauriert und saniert (Abbildung 2) und die Perrons erhielten neue verlängerte Perrondächer.

Wir waren seit dem Vorprojekt an der Planung und Realisierung des Umbaus Bahnhof Zweisimmen beteiligt. Unsere Hauptaufgabe als Gesamtplaner Tief- und Brückenbau war es, neben dem Projektieren und Planen des gesamten Umbaus, die Gesamtkoordination mit Bahnbau und -technik zu führen. Besonders spannend und herausfordernd dabei war die Zusammenarbeit mit zwei Bahnunternehmen. Mit der BLS und der MOB kamen zwei Bahnbetreiberinnen mit zwei ungleichen Spurbreiten, Stromsystemen und Sprachen zusammen. Der Koordinations- und Kommunikationsaufwand brachte uns viel neues Wissen und Erfahrungen.

Der Umbau
Das neue Gleisfeld hatte den Neubau einer kombinierten Bahn- und Strassenbrücke über die Kleine Simme (Abbildung 3) sowie den Ersatz einer Bahnbrücke über die Kantonsstrasse (Abbildung 4) und den Bau diverser Stützmauern zur Folge. Auch die bestehende Perronrampe musste infolge der Überprüfung der Personenflüsse und den neuen Perrondachstützen umgebaut werden.

Unsere Planung umfasst eine neue Gleisanlage, den Ersatz vom Unter- und Oberbau, die Fahrleitungs- und Werkleitungsanlage sowie die Entwässerung des Bahntrassees und der gesamten Bahnhofsanlage. Weiter wurde die gesamte Perronanlage inkl. Zugängen gemäss den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) ausgeführt. Die alte Kranbahnanlage für den Güterumschlag wurde durch eine moderne ersetzt. Dies ermöglicht sowohl den Umlad von Bahn zu Bahn (BLS zu MOB) wie auch denjenigen von Bahn auf Strasse und umgekehrt. Für die Erschliessung aller Publikums- und bahntechnischen Anlagen, sowie auch für die Verbindung der beiden neuen Technikgebäude der BLS und der MOB, war die Planung einer umfangreichen neuen Kabelanlage (Kabelkanäle, Rohrblöcke und Schächte) notwendig.
Der Bahnbetrieb konnte während den Arbeiten grösstenteils aufrechterhalten werden. Es waren drei Intensivbauphasen mit Betriebseinschränkungen notwendig. Der grösste Teil des Umbaus ist bereits abgeschlossen. Zurzeit sind die letzten Abschlussarbeiten im Gange.

Auf der Ostseite des Bahnhofs wird von den Liegenschaftsdiensten der BLS die Realisierung einer neuen Wohnüberbauung geprüft. Im Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs durften wir dabei die Machbarkeit und das Vorprojekt der dazu neu verlegten Strasse planen und begleiten. Die daraus resultierenden Massnahmen für den Abschluss des Bahnhofsareals wurden bereits im Projekt des Bahnhofumbaus realisiert.

Nicht nur die Planung sondern auch die örtliche Bauleitung gehörte zu unserer erbrachten Leistung. Während der gesamten Bauzeit von zwei Jahren war täglich mindestens ein Bauleiter vor Ort um eine einwandfreie Schnittstelle zwischen Planung und Ausführung zu gewährleisten.

Da der Bahnhof Zweisimmen die Funktion eines Umsteigebahnhofes hat, war das stetige Aufrechterhalten des Personenflusses eine zusätzliche Herausforderung. Dafür stand die örtliche Bauleitung in ständigem Kontakt mit dem Bahnhofspersonal, der Gemeinde und den Anwohnern.

Die Umwelt
Im Rahmen des Umweltmandates begleiteten wir die gesamte Planungs- und Bewilligungsphase sowie die Ausführung. Dazu wurden die Umweltauswirkungen des Projekts in Umweltberichten und verschiedenen Fachgutachten beurteilt. Zur Minimierung der negativen Auswirkungen auf die Umwelt schlugen wir Projektanpassungen vor und definierten Massnahmen. Unsere Umweltbaubegleitung sorgte für die korrekte und gesetzeskonforme Umsetzung der Umweltauflagen während der Bauphase.

Der Bau der neuen, kombinierten Strassen- und Eisenbahnbrücke über die Kleine Simme erforderte eine Wasserhaltung und temporäre Installationen innerhalb der Kleinen Simme. Diese Umstände verlangten spezifische Massnahmen zum Schutz des Oberflächengewässers, welche bereits in der Planungsphase mitberücksichtigt wurden. Der Bau der neuen Brücke, die als zentrales Bauwerk im Hochwasserschutzprojekt der Gemeinde Zweisimmen figuriert, verlangte eine enge Koordination mit der Gemeinde und Dritten.

Die Bauarbeiten im Bereich des Bahnhofes Zweisimmen und der Kleinen Simme tangierten zudem Lebensräume von national geschützten Tierarten. Die Auswirkungen auf die vorkommende Flora und Fauna wurden durch uns untersucht und mögliche Kompensationsmassnahmen aufgezeigt. Die nicht vermeidbaren, dauernden Beeinträchtigungen der Naturwerte konnten wir durch ökologische Ersatzmassnahmen im Bereich von nahegelegenen Bahnböschungen kompensieren.

Die Entwässerung während der Bauphase, aber auch die Entwässerung von Verkehrswegen in der Betriebsphase nach dem Umbau projektierten wir nach den neusten gesetzlichen Bestimmungen und in Absprache mit den zuständigen Behörden.

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Autor/en
Lena Cajochen
Emch+Berger AG Bern
Christoph Bähler
Emch+Berger AG Bern