BIM: Revitalisierung und Umbau Neumarkt Brugg, Kanton Aargau

Für die Revitalisierung des Einkaufszentrums Neumarkt 2 und 3 in Brugg wurde ein Big-BIM-Pilotprojekt im Bereich Hochbau durchgeführt. Die angewendete Planungsmethode bot Emch+Berger als Fachplanerin im Bereich der Ingenieurarbeiten Hochbau eine Chance, neue BIM-Kompetenzen aufzubauen. Durch die modellgestützte Koordination konnten die Planungseffizienz erhöht sowie Schnittstellen bei einem Umbauprojekt frühzeitig erkannt und Lösungsansätze definiert werden.

Das Mandat; Einsatz des 3D-Modells
Für die Modernisierung der Gebäude Neumarkt 2 und 3 im aargauischen Brugg wurde Emch+Berger als Subplanerin für die Bauingenieurleistungen beauftragt. Die Projektorganisation war aufgrund der zahlreichen Fachplaner in diverse Teilprojekte unterteilt und daher sehr komplex. Die Anwendung von BIM wurde seitens Auftraggeber zwar nicht vorgegeben, dennoch entschieden Generalplaner und Architekt, die Projektierung mithilfe einer 3D-Koordination durchzuführen. Dank diesem Verfahren liessen sich alle neuen Gewerke iterativ koordinieren und mit dem Bestand laufend abgleichen. Dies gilt insbesondere für die Planung der Gebäudetechnik und die damit verbundenen Eingriffe in die Tragstruktur. 

Umgang mit dem 3D-Modell
Alle beteiligten Fachplaner stellten dem Generalplaner ihre Referenzmodelle im IFC-Dateiformat auf der Plattform C24 zur Verfügung. Die Modellkoordination mithilfe der Software Solibri Model Checker erfolgte in ICE-(Integrated-Concurrent-Engineering-)Sessions. Dabei waren sämtliche Modelle während diesen Sitzungen immer aktiv aufgeschaltet und wurden von allen Fachplanern bei der Koordination von Schnittstellen genutzt. Dank dieser Vorgehensweise resultierte für die Bauherrschaft eine optimal abgestimmte Planung, da für alle Fachplaner und Projektbeteiligte alle Planungsschritte dank der 3D-Modelle leicht nachvollziehbar waren. 

Einschränkung der BIM-Methode für das Pilotprojekt
Die Erarbeitung der 3D-Geometrie stand bei der Zusammenarbeit im Zentrum, während der weitere Informationsgehalt der eigentlichen BIM-Modelle nur rudimentär eingepflegt wurde. Damit wurde im gesamten, integralen Planungsprozess BIM zwar nur ein Arbeitsschritt konsequent umgesetzt; dieser war indes für die Koordination der fachübergreifenden Schnittstellen enorm wichtig. Dazu wurde ein 7-seitiger BIM-Projektabwicklungsplan (BAP) erstellt, der die modellbasierte Zusammenarbeit (Datenaustausch, Dateinamen, Attribute etc.) festlegte.

Planung der Planung mit aktuellem Ansatz
Bestandteil der BIM-Methode und des BAP ist der Prozessplan – die Planung der Planung nach SIA 2051. Eine weitere Verbesserung ist der Einsatz des Lean-Prinzips; des Lastplanungssystems. Diese 2 Elemente wurden beim Projekt Neumarkt 2 und 3 gleichzeitig angewendet: Die Fachplaner legten in einem ersten Schritt ihre Entscheidungspunkte und Abhängigkeiten auf einem Metaplan fest. In einem nächsten Schritt wurden diese ausgehend von den zu erreichenden Meilensteinen in gegenseitiger Abhängigkeit rückwärts geplant. Der Prozess wurde vom Gesamtplaner moderiert und aktiv mitgestaltet. Konventionelle Phasendiagramme wurden während der Planung nicht verwendet.

Fazit
Mit dem vorliegenden Projekt konnte Emch+Berger die 3D-Koordination – ein wesentliches Element des gesamten BIM-Arbeitsprozesses – anhand eines komplexen Umbauprojektes über alle Planungsphasen bis zum Abschluss des Bauprojekts erfolgreich mitgestalten. Kernelement des angewendeten Planungsprozesses war dabei die Kommunikation zwischen den beteiligten Fachplanern. Das Erlernte kann nun in nächsten Projekten erfolgreich eingebracht werden.
 

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