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05.06.2020

Projektbezogenes Qualitätsmanagement in der BIM-Umgebung

Das Projektbezogene Qualitätsmanagement (PQM) im Bauwesen steht für eine kontinuierliche Verbesserung der Planungs- und Ausführungsqualitäten unter Berücksichtigung geltender Normen sowie der allgemeinen Wirtschaftlichkeit. Dank Building Information Modelling (BIM) lassen sich komplexe PQM-Prozesse vereinfachen und definierte Qualitätskriterien systematisch überprüfen.

Für die Planung und Realisierung von Gebäuden gilt in der Schweiz einer der höchsten Standards weltweit. Oft erscheinen die Qualitätsanforderungen den Bauherrschaften, Planern und Unternehmern aber als grosse Last. Dies, da der Nutzen des Projektbezogenen Qualitätsmanagements (PQM) wegen bisweilen unklarer, träger und unflexibler Prozesse, des Einbezugs zu vieler Ressourcen und wegen mangelnden Informationsmanagements nicht überall zum Tragen kommt. Oft resultieren daraus vermeidbare Doppelarbeiten und «Dokumentenfriedhöfe» in Form von Lenkungsplänen und Risikolisten sowie etlichen weiteren PQM-Dokumenten, die nicht ausreichend bewirtschaftet werden. Die schwerwiegenden Folgen sind abwendbare Mängel in den Projekten. Sie stehen in offensichtlichem Widerspruch zu den eigentlichen Zielen der PQM-Arbeit.

Die gängige, oft unbefriedigende Praxis lässt sich nun aber mithilfe neuer Arbeitsmethoden enorm vereinfachen. Die BIM-Methode bietet die Chance, die Komplexität der PQM-Arbeit in transparente Prozesse aufzubrechen. Optimierte Zusammenarbeitsprozesse, relevante Modellinformationen sowie kontrollierte Metriken sind der Schlüssel dazu. Ein Mehrwert für die Qualitätsarbeit!

Durch den Einbezug von Qualitätsanforderungen in die nachfolgend erläuterten BIM-Bausteine lässt sich die Einhaltung der geforderten Qualitäten entlang der ganzheitlichen Wertschöpfungskette systematisch überprüfen.
Ein erster BIM-Baustein zielt auf die Kunden- und Projektziele ab. Diese können mit definierten (sinnvollen) Metriken sowohl kontrolliert als auch gesteuert werden. Qualitätsschwerpunkte lassen sich hier bereits bei der Bestellung eruieren und festlegen.
Die Zusammenarbeit in ICE-Sessions (Integrated Concurrent Engineering) bildet einen weiteren wichtigen Baustein. Das Reduzieren von Iterationen durch themenfokussierte Kollaboration im Projektteam zielt stetig auf die Umsetzung der Qualitätsanforderungen ab.
Das Lean-Produktions- und -Prozessmanagement ermöglicht es, im Bauprojekt unnötige Prozessschritte zu erkennen und zu vermeiden. Es resultiert eine Optimierung komplexer Prozessketten und fokussiert gleichzeitig die Qualitätsanforderungen.

Das BIM-Modell bildet den Kern jeder projektbezogenen Qualitätssicherung, da alle Daten der Bauteile fachbereichsübergreifend hinterlegt und somit jederzeit aktuell abrufbar sind. Bauteilkollisionen sind einfach zu lokalisieren, zu dokumentieren und nachzuprüfen. Flächen sowie Funktionsanforderungen werden laufend mitgeführt.
Durch den zunehmenden Einsatz von digitalen Werkzeugen in der Planung und der Ausführung werden zwar klassische PQM-Abwicklungsprinzipen hinterfragt, nicht aber die Risikoanalyse der Anforderungen bzw. die dafür definierten Massnahmen.
Das angewandte BIM-Framework, welches aus dem Zusammenspiel der BIM-Bausteine besteht, lässt sich als generelles Steuerungsinstrument für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung einsetzen. Geforderte (bestellte) Anwendungsfälle erlauben eine frühzeitige, durch Risikoanalyse definierte Bestimmung der Qualitätsschwerpunkte. Dies bildet ein Schlüsselelement der zukünftigen PQM-Arbeit. Ein Anwendungsfall bündelt alle möglichen Szenarien, die eintreten können, wenn ein Projektstakeholder mithilfe der beschriebenen BIM-Bausteine das Qualitätsziel anvisiert.

Um Daten schnell, dynamisch und effizient verarbeiten und visuell aufbereiten zu können, braucht es ein entsprechendes Werkzeug, das alle qualitätsrelevanten Bereiche einbezieht: Controlling, Finanzen, Prozesse, Ressourcen, Modelleinbindung und Auswertung etc. Ein Business-Analytics-Tool kann hier helfen, die «Insights» der Daten zu generieren, welche als kontinuierliche Rückkopplungsdaten in das System eingespeist werden, sodass bestmögliche Projektergebnisse erzielt werden können.
Die Definition von Qualitätsanforderungen, von Metriken und der (BIM-)Systemumgebung sowie deren konsequente Anwendung verleihen einem Projekt die nötige Flexibilität, um damit Qualitäten laufend überprüfen und bei Missständen schnell und angemessen reagieren zu können.