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11.12.2020

Verlegung der Schelten­strasse zum Schutz vor Naturgefahren

Stabilisierung des Baugrunds vor der Verlegung der historischen Passstrasse

Wie bringt man schwierige geologische Bedingungen, kleinräumig unterschiedliche Geländeverhältnisse, landschaftspflegerische Aspekte sowie die Bedürfnisse der Landeigentümer unter einen Hut? Emch+Berger entwickelte für den Kanton Solothurn in spannender Projektarbeit ein Strassenvorhaben, welches genau dies schafft.

Die Strasse, die von Mümliswil-Ramiswil SO her durch das Guldental führt, gehört zum Inventar historischer Verkehrswege. Sie wurde während des Ersten Weltkriegs zwischen 1914 und 1915 als Militärstrasse gebaut und dient seither als Verkehrsachse in den Kanton Jura. Mit rund 300 Fahrzeugen pro Tag ist die Scheltenstrasse nicht sehr stark frequentiert. Für die Erreichbarkeit der Berggasthöfe und als Verbindung über den Jura ist die Strecke gleichwohl von grosser Bedeutung. 

Auf der Strasse, die dem Guldentalbach entlangführt, sorgen auf einem ca. 1.7 km langen Abschnitt häufige Steinschläge, vereinzelte Baumschläge und im Winter Lawinen immer wieder für Gefahrensituationen. Der Strassenunterhalt im betroffenen Gebiet erfordert einen sehr grossen Arbeitsaufwand. Die Strasse muss mehrmals pro Woche von Steinen auf der Fahrbahn gesäubert werden.

Emch+Berger durfte zur Behebung dieses Sicherheitsdefizits für den Kanton Solothurn verschiedene Lösungsvarianten erarbeiten. Diese reichten von Schutzbauten auf dem gesamten Abschnitt bis zur Verlegung der Kantonsstrasse auf die gegenüberliegende Talseite. Schnell zeigte sich, dass der Baugrund eine nur sehr geringe Tragfähigkeit aufweist und labil auf Wasser reagiert. Weiter liegt das gesamte Gebiet in einer Landschaftsschutzzone und wird landwirtschaftlich genutzt. Entsprechend war besonders darauf zu achten, dass sich das Trassee möglichst gut an das Gelände anschmiegt. Das bedeutete, dass keine sichtbaren Verbauungen in Betracht gezogen werden konnten. 

Auf Basis der von uns erarbeiteten Varianten konnte die kantonale Konferenz der Ämter Bau, Umwelt und Wirtschaft (KABUW) einen Entscheid fällen. Dieser fiel auf die kombinierte Variante. Das heisst, im westlichen Teil zwischen Mittler Guldental und Glashütte wird die Strasse verlegt, im östlichen Abschnitt bis Vorder Guldental ein Schutzprojekt mit Netzen ausgeführt und die bestehende Strasse instand gesetzt.

Wir zeichnen im Projekt verantwortlich für den Teil der Stras­senverlegung. Die gegebenen Hangverhältnisse und der schlechte Baugrund verursachen grosse Materialverschiebungen. Ein Materialersatz wurde geprüft, stellte sich aber als ökonomisch wie auch ökologisch wenig sinnvoll heraus. Deshalb wurde entschieden, den vorhandenen Baugrund mittels Kalkeinmischung zu verbessern. Gesamthaft werden so über 25 000 m3 Material vor Ort gemischt und wieder eingebaut. Für die Bauarbeiten steht aufgrund der Höhenlage und der Nordexposition nur das Sommerhalbjahr zur Verfügung – und infolge der schlechten Baugrundverhältnisse nur jene Perioden, in denen der Boden nach Niederschlägen wieder einigermassen abtrocknet. Das Bauvorhaben musste deshalb so geplant werden, dass gleichzeitig an mehreren Orten gebaut werden kann.

Nach einer Projektierungszeit von über zehn Jahren starteten die Arbeiten im Frühling 2018 mit der Erstellung der Schutzbauten. Seit Herbst 2018 sind nun die Arbeiten an der Strassenverlegung im Gange. In den Wintermonaten konnten die Instandstellungsarbeiten der bestehenden Kunstbauten im Schutznetzabschnitt ausgeführt werden. Im Frühling 2019 startete mit den Erdarbeiten die Phase der effektiven Strassenverlegung. Die gewählte Stabilisierung des vorhandenen Materials hat sich bisher als die vollkommen richtige Ausführungsvariante erwiesen.