Entwicklung der urbanen Drehscheibe Bahnhof Cornavin, Genf

Der Bahnhof Genf Cornavin und sein engeres Umfeld müssen angesichts steigender Ansprüche und Bedürfnisse neu strukturiert werden. Vor allem wachsende Fahrgastzahlen, grössere Personenströme und die Anforderungen weiterer Nutzungen bedingen entsprechende Massnahmen. Als Teil eines internationalen Teams ist Emch+Berger siegreich aus dem verkehrsstädtebaulichen Wettbewerb hervorgegangen und begleitet nun den spannenden Prozess für die Neustrukturierung.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), das Bundesamt für Verkehr (BAV), der Kanton Genf und die Stadt Genf planen die unterirdische Erweiterung des Bahnhofs Cornavin. Dieser Ausbau wird notwendig, um die Schieneninfrastruktur zur Steigerung der Kapazität des Bahnhofs bis 2031 um mindestens zwei Gleise erweitern zu können.

Ein Bahnhof wird oft als das «Tor zur Stadt» oder auch als die Visitenkarte einer Stadt bezeichnet. Mittlerweile ist die ehemals reine Verkehrsfunktion eines Bahnhofs eingebettet in ein multifunktionales Angebot an Kommerz, Information und Dienstleistung. Bahnhöfe und ihr Umfeld sind heute zentrale Orte innerhalb einer Stadt mit einer Verkehrsverknüpfungsfunktion, welche die Durchströmung der Infrastrukturen und damit ein hohes Kundenpotenzial sichert. Um der Komplexität und den Einzelansprüchen zukünftig gerecht zu werden und dabei ein funktionierendes Ganzes zu erreichen, müssen die Anlagen und Infrastrukturen entsprechend diesen wachsenden Bedürfnissen angepasst werden.

In einem verkehrsstädtebaulichen Wettbewerb wurde die Neustrukturierung und damit die zukünftige Gestaltung der Plätze und Infrastrukturen um den und im Übergang zum Bahnhof Cornavin von multidisziplinären Teams bearbeitet. Emch+Berger hat im internationalen Team mit Guillermo Vázquez Consuegra aus Barcelona und Frei Rezakhanlou aus Lausanne am mehrstufigen Wettbewerb teilgenommen, es bis in die letzte Runde geschafft – und gewonnen!

Das in enger Teamarbeit erarbeitete Konzept überzeugte die Jury durch seine hohe Effizienz: Speziell die Integration des neuen, unterirdischen Bahnhofs und seiner Zugänge in das bestehende Stadtgefüge sticht hervor. Die Realisierung einer neuen durchgehenden Fassade auf der Nordseite des Bahnhofs erhöht die Sichtbarkeit des Bahnhofs und schafft eine neue Identität für diesen bisher eher vernachlässigten städtischen Raum. Dazu tragen auch zwei zusätzliche Plätze sowie die verkehrliche Anbindung für den Fuss- und Veloverkehr bei. Zukunftsweisend sind die Überlegungen zu den Verkehrsströmen, insbesondere auch für die kurzen Wege. Im Zusammenspiel mit dem architektonischen Eingriff werden Erkennbarkeit, Qualität und Funktionalität so ausgestaltet, dass die Zugänge zu den Perrons des unterirdischen Bahnhofteils optimal mit dem bestehenden Bahnhof und den anderen Publikumsanlagen verbunden werden. Insgesamt entstehen für den städtischen Fuss- und Veloverkehr notwendige ergänzende Angebote, und der Bahnhof wird für diese Verkehrsarten durchlässiger.

Darüber hinaus stellt das Verkehrskonzept die Fussgänger in den Mittelpunkt der Umstrukturierung, indem es Räume für Bewegung und für den Aufenthalt anbietet. Grundlage dafür ist die weitreichende Berücksichtigung der Wunschlinien der Fussgänger. Die Verkehrsanbindung und die Durchlässigkeit in Ost-West-Richtung werden verbessert, die Passagen aufgewertet und die Lenkung der Personenflüsse verstärkt. Aber auch die Behandlung der verkehrlichen Schnittstellen zeigt die vertiefte Auseinandersetzung und die Abwägung einzelner Massnahmen, welche letztendlich zu einem überzeugenden Gesamtprojekt führen. Eindruck hinterlassen hat nicht zuletzt auch die Wettbewerbs-Präsentation mit einer multimodalen Simulation der Verkehrsströme aller Verkehrsträger auf der Basis des vorgeschlagenen Betriebs- und Gestaltungskonzeptes. In der Schlussphase konnten wir ausserdem einen wichtigen Beitrag zu den Strategien für die Umsetzung der Richtlinien sowie für die Unterstützung des Projektmanagements leisten. Somit hat sicher auch das gesamte Paket das Expertengremium überzeugt.

Als kompetenter Ansprechpartner wurde dem Team mittlerweile Gelegenheit geboten, den Prozess zu begleiten und die Auftraggeber fachlich wie auch prozessual zu unterstützen. Neben den architektonischen Qualitäten können wir unsere verkehrsplanerische Kompetenz und fachliche Vielfalt bestens in dieses spannende Projekt einbringen.

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Author/s
Guido Rindsfüser
Emch+Berger Verkehrsplanung AG