BIM für Bauherren von Immobilien

Die BIM-Methode ist im Bereich der Planung und Ausführung angekommen. Bis zum flächendeckenden effizienten Einsatz über den gesamten Lebenszyklus von Immobilien ist es aber noch ein weiter Weg. Wo stehen wir heute, und wo liegen die Herausforderungen mit Blick auf die Zukunft? Dazu einige Gedanken aus aktuellen Kundenprojekten.

Möchte man BIM (Building Information Modeling) heute im «Hype Cycle» des Marktforschungsunternehmens Gartner verorten, kommt man vermutlich zum Schluss, dass sich die Methodik gerade auf dem Weg vom «Gipfel der überzogenen Erwartungen» ins «Tal der Enttäuschungen» befindet. Dieser Verlauf ist kein Grund zur Sorge, geschweige denn zum Aufgeben. Aber natürlich gilt es, das Tal rasch hinter sich zu lassen, um den Aufstieg zum «Plateau der Produktivität» in Angriff nehmen zu können. 

Vorteile gezielt nutzen 
Immer mehr Unternehmen erkennen und nutzen die Vorteile von BIM zur Optimierung ihrer eigenen Wertschöpfungskette. In vielen Projekten setzen Planende und Ausführende die Methode heute allerdings ein, ohne dass konkrete und detaillierte Vorgaben der Bauherrschaft vorliegen. Zwar lassen sich so BIM-Vorteile für den Erstellungsprozess nutzen, es werden aber noch zu wenig Effizienzsteigerungen an den Bauherrn weitergegeben. Zudem stehen so die mit BIM generierten Daten unzureichend für Betrieb und Optimierung zur Verfügung. Damit auch diese Bereiche von BIM profitieren, ist es in unseren Augen entscheidend, dass Bauherren den BIM-Einsatz ganz gezielt einfordern und steuern. Das bringt Mehrwert für alle:

  • Die Bauherrschaft profitiert über den ganzen Lebenszyklus einer Immobilie von den Vorteilen von BIM. (Beispielsweise transparente Bereitstellung und Pflege von Gebäudedaten an einem Ort.)
  • Der BIM-Einsatz wird dadurch wirtschaftlicher, sinnvoller und nachhaltiger.
  • Auftraggeber und Auftragnehmer fördern gemeinsam die weitere Entwicklung und Etablierung von BIM im Markt. Das bringt volkswirtschaftliche Vorteile und stärkt die langfristige Konkurrenzfähigkeit aller Akteure.
  • Es können weitere digitale Technologien etabliert werden, welche in Verbindung mit BIM den bedarfsgeführten Betrieb von Gebäuden beschleunigen. 
     

Unterstützung für Bauherren
Viele Bauherren verfügen selbst nicht über die notwendigen Ressourcen, um ihre BIM-Kompetenzen im Alleingang sinnvoll aufbauen zu können – oder sie wollen das ganz bewusst nicht tun. Wir sehen es als unsere Aufgabe, sie bedarfsgerecht zu unterstützen. Daher haben wir die vergangenen Jahre intensiv genutzt, um die Instrumente und Grundlagen für die Nutzung von BIM auf Bauherrenseite, im Projektmanagement und in der Projektsteuerung sowie für die Koordination oder für die Qualitätssicherung bereitzustellen und konkret einzusetzen. Folgende Dienstleistungen von Emch+Berger schätzen unsere Kunden besonders:

  • BIM-Visionen und -Strategien entwickeln und begleiten.
  • Ziele und Metriken für Projekte definieren und bezüglich der Umsetzung auswerten.
  • Unterstützung und Begleitung bei der Definition von Anforderungen, sei es bei internen Veränderungsprozessen oder bei der Implementierung von Aspekten des digitalen Bauens und Betreibens.
  • Identifikation von BIM-Anwendungsfällen, welche optimalen Effizienzgewinn im Wertschöpfungsprozess des Bauherrn bieten.
     

BIM braucht klare Bekenntnisse
Damit BIM das Versprechen einlösen kann, Effizienzsteigerungen und ein höheres Qualitätsniveau in die Planung, den Bau und die Nutzung von Bauwerken zu bringen, sind gemeinsame Daten und Modelle unabdingbar. Das erfordert von allen Akteuren ein klares Bekenntnis zu enger Zusammenarbeit, laufender Koordination und offener Kommunikation. Denn: Auch mit BIM kommt man nicht schneller ans Ziel, wenn man dieses nicht genau kennt. 

Digitales Bauen ist mehr als BIM
Natürlich ist BIM nur ein Puzzleteil des digitalen Bauens und Betreibens. Ein weiteres Element sind digitale Systeme zur Bereitstellung von Live-Daten aus der Nutzung eines Gebäudes. Durch die Weiterentwicklung der IoT-Technik (Internet of Things) nehmen die Möglichkeiten derzeit sprunghaft zu. Kombiniert man sie mit Systemen, welche beispielsweise mithilfe von künstlicher Intelligenz statische und dynamische Daten für definierte Kundenbedürfnisse aggregieren und auswerten, werden komplexe prädiktive Analysen und präventive Massnahmenableitung möglich. Das macht den Betrieb und die Verwaltung von Liegenschaften

  • wirtschaftlicher dank automatisierter Abläufe;
  • schneller und transparenter dank Live-Daten;
  • fehlersicherer dank validierter Quellen und
  • nachvollziehbarer dank definierter Regeln.
     

Der heute noch gängige statische Betrieb von Gebäuden lässt sich durch einen optimierten, bedarfsgeführten und nutzerorientierten Betrieb ablösen. Solche Systeme sind bereits verfügbar. Sie können ihre Wirkung aber nur entfalten, wenn ihr Einsatz durch den Bauherrn gezielt definiert und bestellt wird, und wenn alle Partner sie gemeinschaftlich entwickeln.  

Hightech und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch? 
Steht der steigende Grad an Technisierung von Gebäuden nicht dem Streben nach ökologischerem Bauen, nach Suffizienz und Nachhaltigkeit entgegen? Wir glauben nicht. Falls die Technik massvoll, gezielt und intelligent eingesetzt wird, kann sie ein wichtiger Baustein sein, um Anforderungen an die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit besser zu erfüllen als in der Vergangenheit. Es ist unser klarer Anspruch, dass dies in allen Projekten gelingt, deren Bauherren wir beraten.

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Author/s
Matthias Haldimann
Emch+Berger ImmoConsult AG
Karsten Henkel
Emch+Berger ImmoConsult AG
Olaf Mittrach
Emch+Berger ImmoConsult AG