Neubau und Aufbau Fachbereich Wasserkraft in der Niederlassung Brig

Die Niederlassung Brig ist verantwortlich für die Gesamtprojektleitung und Oberbauleitung beim Kraftwerk Spiggenbach im Berner Oberland. Trotz angespanntem Marktumfeld hat sie den Eintritt in den Bereich Kraftwerkprojekte erfolgreich geschafft.

Das Kraftwerk Spiggenbach befindet sich im Berner Oberland, und zwar im Gemeindegebiet Reichenbach im Kandertal, Ortsteil Kiental. Dieses Hochdruck-Laufwasserkraftwerk mit einer maximalen Leistung von ca. 2.5 MW bzw. einer mittleren Bruttoleistung von 1.6 MW produziert ca. 10.7 Mio. kWh pro Jahr. Das Stauziel liegt auf einer Höhe von 1‘188.18 m ü. M. Die Bruttofallhöhe beträgt 230.68 Meter.

Die wesentlichen Bestandteile des Kraftwerks sind die Wasserfassung, ein Stollen mit darin frei verlegter Druckleitung (GFK DN 800) von 575 m Länge und eine erdverlegte, 380 m lange Druckleitung (GGG DN 800) vom talseitigen Stollenportal zur Zentrale sowie die Wasserrückführung in den Spiggenbach. Das Triebwasser wird über einen quer im Spiggenbach eingebauten Coanda-Rechen mit einer Spaltweite von 0.4 mm gefasst. Da dieser Rechen Sand bis zu einem Korndurchmesser > 0.2 mm zu 95 % ausscheidet, kann auf den Bau eines zusätzlichen Entsanders verzichtet werden. Bei Hochwasser kann über einen gesonderten Spülauslass neben der Fassung das im Oberwasser der Fassung gegebenenfalls angelandete Geschiebe ins Unterwasser gespült werden.

Anspruchsvolle Arbeiten
Die Niederlassung Brig zeichnet für die technische Gesamtprojektleitung und die Oberbauleitung verantwortlich. Die Niederlassung Spiez ist mit der örtlichen Bauleitung und der Umweltbaubegleitung beteiligt. Am Hauptsitz wurde der Stollen projektiert sowie die Berichte zur Umwelt und zum Hochwasserschutz während der Bauzeit erstellt. Mit dem Bau der Zentrale wurde nach den Vorbereitungsarbeiten im Oktober 2015 begonnen. Inzwischen ist sie im Rohbau bereits fertiggestellt. Der Bau des Fixpunktes am Stollenportal West stellte sich in diesem sehr steilen Gelände unter zum Teil widrigen Witterungsbedingungen im Winter als äusserst anspruchsvoll heraus. Der Fixpunkt war in dieser Zeitperiode zu realisieren, da ab dem Frühjahr der Alpverkehr wieder garantiert sein musste. Aktuell wird auf der Baustelle an mehreren Orten gleichzeitig gebaut. Die Stollenarbeiten haben Anfang März 2016 begonnen und sind termingemäss unterwegs.

Die Arbeiten an der Fassung wurden im Frühjahr 2016 aufgenommen. Für die Baustellensicherheit wurde ein Hochwasserschutzdispositiv angeordnet, da die Arbeiten im Bach selber ausgeführt werden müssen. Für die Wasserhaltung wurde ein Stahlkanal in der Bachmitte angeordnet. Der wesentliche Vorteil dieser Unternehmervariante liegt darin, dass auf beiden Uferseiten parallel gearbeitet werden kann. Die Bauarbeiten dauern noch bis Ende Jahr 2016. Bis dann sollte der Stollen ausgebrochen sein. Parallel wird der Innenausbau der Zentrale realisiert. Die elektromechanische Ausrüstung ist ab Frühjahr 2017 vorgesehen, sodass die Anlage im Sommer 2017 in Betrieb gehen kann. Der Baukörper der Zentrale wird so in eine Hangkante im Talgrund integriert, dass nur die «Trichter» von aussen sichtbar sind. Die Zentralendecke wird begrünt, hier bleibt nur die Montageöffnung (vorläufig) sichtbar. Die Rückleitung in den Spiggenbach erfolgt (im Normalbetrieb und bei Wasserständen am Auslaufbauwerk des Spiggenbachs unter 959 m ü. M.) oberhalb der Fussgängerbrücke über das Auslaufbauwerk, sodass dem Bach sofort vor Erreichen des Talgrundes wieder das komplette Wasservolumen zur Verfügung steht. Eine weitere Rückleitung (Spülleitung) ermöglicht die Einleitung des Triebwassers unterhalb der Fussgängerbrücke.

Erfreuliche Entwicklung
Die Niederlassung Brig hat sich seit 2011 erfreulich entwickelt. Der Eintritt in einen gesättigten Markt stellte sich als sehr anspruchsvoll heraus. Der Aufbau eines Kundennetzes erfordert Ausdauer, Authentizität und Verlässlichkeit. Jeder Auftrag hat zu Beginn Pioniercharakter: Neue Mitarbeitende sind ins Team zu integrieren, und die Projekte sind in unterschiedlichen Fachgebieten angesiedelt. Gleichzeitig sind Fachwissen und Methodenkompetenzen aufzubauen.

Mittlerweile arbeiten am Standort Brig 9 Mitarbeitende in den Bereichen Wasserversorgung und Wasserkraft. Unterhaltsprojekte im Bahnbau und der Hochbau runden das Auftragsportfolio ab. Der Bereich Bauherrentreuhand entwickelt sich ebenfalls stetig. So sind wir für das ASTRA als Oberbauleitung und Bauherrenunterstützung zusammen mit Teammitgliedern aus Bern tätig. Für die BKW Energie AG zeichnen wir ebenfalls für die Oberbauleitung verantwortlich (vgl. unten).

Geografisch im Wasserschlosskanton Wallis gelegen, war es naheliegend, dass die Niederlassung Brig im Bereich der Wasserkraft aktiv wird. Wir bewegen uns in einem sehr angespannten Marktumfeld, in dem vor allem die Grosswasserkraft gegen subventionierten Wind- und Solarstrom sowie Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland zu bestehen hat. Wir haben uns durch diese ungünstigen Einstiegsbedingungen aber nicht verunsichern lassen. Zielgerichtet sind wir auf die verschiedenen Kraftwerksbetreiber zugegangen, um die Emch+Berger Gruppe bekannt zu machen. Bei den wenigen ausgeschriebenen Kraftwerksprojekten haben wir jeweils bei Ingenieurgemeinschaften mitofferiert. Bei der Kleinwasserkraft präsentiert sich die Situation ebenfalls sehr angespannt. Es sind zumindest noch einige wenige Kraftwerkprojekte auf dem Markt. Die Niederlassung Brig hat in diesem Segment den Markteintritt erfolgreich geschafft. Aktuell ist das zweistufige Trinkwasserkraftwerk Rigi Undri Eist im Oberwallis seit Herbst 2015 in Betrieb. Bei der Kraftwerkkaskade Chapfensee–Plons und Mädems–Parmot in Mels (SG) mit drei Kleinkraftwerken arbeiten wir am Bau- und Auflageprojekt sowie an den Ausschreibungen für die Bau- und Elektromechaniklose.

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