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04.05.2026

Wenn Strassen, Berge und Natur zusammenspielen

Wer schon einmal durch das Berner Oberland oder im Obwaldnerland unterwegs war, kennt sie: schroffe Hänge, enge Täler, imposante Berglandschaften – und gleichzeitig Verkehrswege, die Tag für Tag stark beansprucht werden. Doch genau diese Landschaft bringt Herausforderungen mit sich. Steinschläge, Murgänge oder Lawinen sind hier keine Ausnahme, sondern Teil der Realität.

Um Menschen, Verkehr und Natur langfristig zu schützen, entsteht zwischen Lungern Nord und Giswil Süd ein zentraler Abschnitt der Nationalstrasse N8. Das Projekt ist Teil der Netzvollendung der N8 und zeigt eindrücklich, wie moderne Infrastruktur heute gedacht werden muss: sicher, robust – und im Einklang mit der Umwelt.

Neuer Abschnitt der Nationalstrasse N8 zwischen Lungern Nord und Giswil Süd

 

Mehr als eine Strasse: Sicherheit vor Naturgefahren

Das neue Nationalstrassentrassee verläuft in einer topografisch anspruchsvollen Umgebung zwischen der bestehenden Brünigstrasse und der Zentralbahn. Genau hier war bisher die Anfälligkeit für Naturgefahren besonders hoch. Steile Hänge, Rutschzonen und Wildbäche stellten ein Risiko für Verkehr und Infrastruktur dar. Ein zentrales Element des Projekts ist deshalb der Neubau des Gerinnes Steinlaui. Aufgrund grosser Murgangrisiken wurde dieses umfassend neu gestaltet. Zusätzlich entsteht im Lungerersee ein Auffangraum, der Geschiebe zurückhält und die Strasse langfristig schützt. So wird nicht nur reagiert, sondern vorausschauend abgesichert.

Die Nationalstrasse N8 zwischen Bahngeleise und Seeufer

 

Der Tunnel Kaiserstuhl für Autos – inklusive «Tunnel» für Amphibien

Zwischen dem Tunnel Kaiserstuhl und dem Tunnel Lungern entstehen nicht nur neue Verkehrsverbindungen, sondern auch überraschende Lösungen für den Naturschutz. Denn moderne Infrastruktur endet nicht beim Auto. Neben dem Strassentunnel werden gezielt Amphibienleitwerke und Kleintierquerungen gebaut. Diese ermöglichen es Fröschen, Salamandern und anderen Tieren, ihre angestammten Lebensräume weiterhin sicher zu erreichen. So entstehen – ganz bewusst – auch «Tunnel für Tiere». Das Ziel: Die Landschaft bleibt vernetzt, Lebensräume werden erhalten und die neue Strasse fügt sich möglichst harmonisch in ihre Umgebung ein.

Tunnel für Amphibien

 

Die Buochholzbrücke: Technik auf sicherem Fundament

Ein besonderes Bauwerk im Projekt ist die neue Buochholzbrücke bei Giswil. Sie wird parallel zur bestehenden Brücke errichtet und ist ein Schlüsselstück der neuen Linienführung. Künftig wird der Verkehr der Nationalstrasse und der Kantonsstrasse getrennt geführt – ein grosser Gewinn für Sicherheit und Verfügbarkeit.

Die Brücke ist rund 215 Meter lang, 11 Meter breit und überquert einen rutschgefährdeten Hangbereich sowie mehrere Gräben. Die Herausforderung: Der Untergrund ist instabil. Deshalb werden die Pfeiler in bis zu 30 Meter tiefen Schächten direkt auf Fels fundiert. So steht die Brücke sprichwörtlich auf sicherem Boden. Konstruiert als vorgespannte Stahlbeton-Hohlkastenbrücke, überzeugt sie durch schlanke Pfeiler, eine robuste Bauweise und eine klare Form. Technik und Landschaft gehen hier eine bewusste Verbindung ein.

 

Nachhaltig gebaut – mit Mehrwert für Mensch und Umwelt

Nachhaltigkeit zeigt sich im Projekt nicht nur im Naturschutz, sondern auch im Bauprozess selbst. Ein durchdachtes Materialkonzept ermöglicht es, Ausbruchmaterial direkt vor Ort wiederzuverwenden. Das reduziert Transporte, spart Ressourcen und schont die Umwelt. Gleichzeitig entstehen entlang des Trassees weitere Brücken sowie teilweise rückverankerte Stützbauwerke, die Hänge stabilisieren und die Linienführung sichern.


Auch für die Bevölkerung vor Ort bringt das Projekt spürbare Verbesserungen: Die Brünigstrasse wird instand gesetzt und seeseitig aufgewertet. Ein neuer Fuss- und Radweg sowie attraktive Aufenthaltsbereiche entlang des Lungerersees erhöhen die Qualität für den Langsamverkehr und machen den Raum erlebbarer – für für den Langsamverkehr und die Erholungssuchenden.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt für die Zukunft

Das Grossprojekt N8 Lungern Nord – Giswil Süd ist das Ergebnis enger Zusammenarbeit. Beteiligt sind unter anderem der Kanton Obwalden, das Bundesamt für Strassen ASTRA sowie Zentras, Betrieb Strassen des Kantons Luzern. Gemeinsam entsteht hier Infrastruktur, die Jahrzehnte überdauern soll.

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